Vor 400 Jahren: Der große Stadtbrand veränderte Wanfried für immer | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Letzte Woche Donnerstag, 25. Juni, jährte sich der verheerende Stadtbrand von Wanfried zum 400. Mal. Die Ereignisse des Jahres 1626 zählen zu den dunkelsten Kapiteln unserer Stadtgeschichte. Für die historischen Recherchen und die Aufarbeitung dieses bedeutenden Ereignisses danken wir Holger Döring und Olaf Prehm herzlich.

Vor 400 Jahren: Der große Stadtbrand veränderte Wanfried für immer

Vor 400 Jahren ereignete sich in unserer Stadt die große Katastrophe der Feuerbrunst. Im 30-jährigen Krieg ( 1618-1648) zog der kühne Christian von Braunschweig mit seinen ungestümen Horden die Weser und Werra hinauf ( evangelisches Lager ).

Der Landgraf Moritz, der auf Seiten Christians von Braunschweig war, unterstützte dessen Vorhaben. So beschloss Tilly das Land zu besetzen und seine Truppen kamen vom Eichsfeld heran. Tillys Truppen gehörten zum katholischen Lager.

Am 07. Mai 1626 befand sich General Tilly in Wanfried. Sein Hauptquartier vor Ort befand sich beim Weinschenken Klaus Manegold Ecke Gatterstraße / Marktstraße. Am 25. Juni 1626 zogen weitere Truppen von Tilly durch Wanfried. Sie überfielen die Stadt, der Angriff erfolgte am Nachmittag von allen Seiten zugleich, das Gattertor wurde vollständig zerstört, das Ober – und Untertor wurden stark beschädigt. Es kam in der Stadt zu einem erbitterten Straßenkampf.

Durch die kühne Verteidigung hatte die Stadt doppelt harte Plünderungen zu ertragen.

Gegen 4 Uhr nachmittags wurde das Schloss gestürmt und die Verteidiger zum großen Teil niedergemacht. Es wurde geplündert, vergewaltigt und gemordet, selbst vor Kindern und Greisen machte man keinen Halt. Bei den Plünderungen sind aus dem Rathaus sämtliche Pokale, Becher, silberne Löffel, das silberne Stadtsiegel und das kostbare Kleinod der Schützengilde geraubt worden.

Gegen Abend erschien die Stadt wie ein Flammenmeer. Bei diesem großen Stadtbrand sind nach alten Aufzeichnungen 140 Häuser und Nebengebäude niedergebrannt worden und ca. 700 Menschen verloren ihre Bleibe. Nur wenige Häuser haben diese große Feuersbrunst überstanden: die Häuserzeile linke Seite Gatterstraße, da die feindlichen Offiziere dort Quartier hatten.

Erwähnenswert ist das jüdische Kaufmannshaus rechts neben dem heutigen Rathaus, Baujahr 1609, das auch den großen Brand überstanden hat, obwohl die Marktstraße zu dieser Zeit eng bebaut war. Große Teile der Stadt wurden verwüstet. Nach Abzug der plündernden, brandschatzenden Horden zogen Truppen des Herzogs von Lüneburg durch die Stadt und es wurden den Bauern ihre letzten Pferde weggenommen. Es bot sich ein trauriges, düsteres Bild in unserer Stadt. So verging ein blutiger Sommer. Die Stadt hat sich nach und nach wieder erholt. Viele Keller sind noch aus der Zeit vor dem Stadtbrand. Viele Häuser wurden wieder aufgebaut und die alten Fundamente wurden wieder genutzt.

Wanfried soll vor dem Stadtbrand, nach alten Aufzeichnungen, ein außergewöhnliches prunkvolles Fachwerk besessen haben, welches danach nie wieder erreicht wurde. Zu Zeiten vor dem Stadtbrand wird in der Chronik berichtet – Wanfried sei „eine der führnehmsten Städte Europas.“. Das können wir uns heute gar nicht vorstellen – unsere kleine Stadt! Aber unser Städtchen hatte eine echte Bedeutung durch den Werrahandel. So kamen Speisen, Gewürze, Stoffe und viele andere Sachen in unsere kleine Stadt, die es anderswo nicht gab. Damals fragte man: „Eschwege ? Ach, das liegt doch bei Wanfried.“.

Viele Ereignisse musste unsere Stadt durchleben und überstehen, jedoch macht eine Stadt immer nur das aus, was ihre Bürger und Einwohner aus den ihnen aufgezwungenen Ereignissen machen.

Wir dürfen nie vergessen, was unsere Altvorderen bewältigen mussten.

Holger Döring und Olaf Prehm